gedichte1


 

Ich liebe dich, du Seele, die da irrt
im Tal des Lebens nach dem rechten Glücke,
ich liebe dich, die manch ein Wahn verwirrt,
der manch ein Traum zerbrach in Staub und Stücke.

Ich liebe deine armen wunden Schwingen,
die ungestoßen in mir möchten wohnen;
ich möchte dich mit Güte ganz durchdringen,
ich möchte dich in allen Tiefen schonen.

Christian Morgenstern

 

 

 

Es ist Nacht,
und mein Herz kommt zu dir,
hält's nicht aus,
hält's nicht aus mehr bei mir.
Legt sich dir auf die Brust,
wie ein Stein,
sinkt hinein,
zu dem deinen hinein.

Dort erst,
dort erst kommt es zur Ruh,
liegt am Grund
seines ewigen Du.

Christian Morgenstern

 

 

Du und ich

Du und ich!
Wunschlose Seligkeit
Strömt deine Nähe über mich.
Der Alltag wird zur Sonntagszeit,
Unsterblich schlingt das Leben sich
Um uns. Und Menschengöttlichkeit
Fühl' ich bei dir durch dich.

Was einst gewesen, weiß ich kaum.
Die enge Welt wird weiter Raum.
Und Holz wird Eisen, Eisen Holz
Und Stolz wird Demut, Demut Stolz.
Gar wunderbare Weisen
Singt dann bei seinen Kreisen
Mein Blut im Paradies für mich.
Es haben alle Wünsche Ruh', -
Ich weiß nicht mehr, wer bist dann du.
Ich weiß nicht mehr, wer bin dann ich.

Max Dauthendey

Die ferne Flöte

Abend atmete aus Blumenblüten,
Als im fernen Winde wer die Flöte blies.
Lass mich eine Gerte von den Zweigen brechen,
Flöte schnitzen und wie jene Flöte tun.
Wenn die Nächte nun ihren Schlaf behüten,
Hören Vögel, wie zwei Flöten
Süß ihre Sprache sprechen.


Klabund, nach Li-Tai-Po ( 701-762)

 

 

Wie soll ich meine Seele halten, dass
sie nicht an Deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?
O süßes Lied.

Rainer Maria Rilke

 

Traumwelt

Lass mich in deinen Augen versinken.
Lass mich von deinen Lippen trinken.
Ich will dich nehmen an der Hand,
entführen in ein fernes Land.
Es wird das Land der Liebe sein.
Dort sind wir beide ganz allein.
Meine Haut, so samtig zart,
sich deinen Augen offenbart.
Liebevoll schaust du mich an.
Ich ziehe dich in meinen Bann.
Mein Blick dich fesselt, fasziniert.
Du streichelst mich ganz ungeniert.
Wir sind beide hingerissen.
Sinken in die weichen Kissen.
Vergessen Zeit und Raum,
genießen diesen Traum.
Den Traum von unserm Paradies,
in das man uns kurz ließ.

Susann Brunn

 

 

Ich träume den Traum der Liebe, träume von dir.

Alles ist klar, doch plötzlich ziehen Wolken auf, verdunkeln den Himmel und damit auch unsre Liebe.

 Du kommst mit einem Messer auf mich zu und stößt es mir mitten ins Herz,

ich bäume mich vor Schmerzen auf, versuche das Messer weg zu ziehen.

Doch es steckt viel, viel zu tief, und ich fange an den Schmerz zu genießen,

da er von dir kommt, denn wenn ich an dich denke vergesse ich alles andere. Meine Hand sinkt von dem Messer und fällt neben mich auf den Boden,

nun kann ich den Schmerz nicht vergessen,

ich bekomme keine Luft mehr, mir fallen die Augen zu,

Blut fließt aus der Wunde.

Das letzte was ich sehe, bist du, und dann ist die Liebe zu dir gestorben, langsam und qualvoll, doch nun kann ich dich vergessen.

ENDLICH!

 

(unbekannt)

 

 

 

 

Neue Kräfte

 

Es gibt Situationen in meinem Leben, in denen ich mich einsam und verletzt fühle.

Aber ich glaube, dass diese Zeiten, in denen ich ziellos umherirre und wenn alles um mich herum zu zerbrechen scheint, eigentlich eine Herausforderung für mich sind...

Ich versuche verzweifelt, an der Sicherheit der Vergangenheit festzuhalten, aber ganz unwillkürlich überwinde ich alle Probleme und erlange ein neues Verständnis, ein neues Bewusstsein und neue Kräfte.

Es ist fasst so, als müsste ich diesen Kampf durchmachen, um zu wachsen um neue Höhen zu erreichen ?

 

(unbekannt)

 

 

Der Himmel

Und als er tagelang gut war,
rief er nach oben,
alles war blau am Himmel,
"Darf ich jetzt kommen ?",
und man sagte ihm: "Nein.",
und er rief: "Ich bin dankbar dafür."
Und als er einmal schlecht war,
rief er nach oben,
alles war blau am Himmel und wenige Wolken,
"Darf ich trotzdem kommen ?",
und man sagte ihm: "Nein.",
und er rief: "Ich kann das verstehen."
Und als er litt,
und als es Winter wurde,
als er sich verliebte,
während jeder Prüfung,
selbst noch im Schlaf,
als er gut war, und als schlecht,
rief er immer nach oben,
bei Tag und bei Nacht an den Himmel,
"Darf ich jetzt kommen ?",
und man sagte ihm immerzu: "Nein.",
und er rief zurück:
"Ich glaube, ich warte, ich hoffe, ich weiß, ich bin, ich will, ich glaube
ich warte, ich darf, ich lebe, ich bin, ich hoffe, ich weiß, ich glaube,
ich danke, ich liebe, ich warte, ich bin, ich hoffe, ich glaube, ich warte,
ich vertraue."
Und er starb hinein in den offenen Himmel.

Peter M. Röhm

 

 

mit mir allein

Es ist ruhig geworden.
Der Wind durchzieht die bloßen Äste.
Sie strecken sich wie krank zerformte Körper
in die Luft, und ihre Haltung macht mir Angst.

Die Ruhe schluckt die Regentropfen auf.
Nichts wehrt sich gegen alles Sein.
Ich pflücke eine Blume auf den Boden
ohne Sinn.

Beschäftigt dreht es sich um mich,
ich bin wie unter Glas.
An keinem Orte kennt man mich.
Ich bin nun ganz mit mir allein.

Sanft wankt mein kahler Baum im Freien,
ich will ihn halten, hört er nicht ?
Sie hören alles, was ich sage,
und meine Bitte wird Verzicht.

(unbekannt)

 

 Schlüsselblume

 Wozu ist mein Schlüssel gut?

Ratet nur mit frischem Mut!

 

Für die Schneckenhäuser meint Ihr? Nein

Für Truhen voller Edelstein?

 

Denket Ihr an Dornröschens Schloss?

Aber nein, was glaubt Ihr bloß?

 

Ihr kommt nie und nimmer drauf.

Ich schließ Himmelstüren auf.

 

Cicely Mary Barker

 

 

Du brauchst einen Freund ...

. . um nicht allein zu sein,
der sagt: "Nun komm doch herein!"
der sich anhört, was dir am Herzen liegt,
der Zeit hat, obwohl es von dieser nicht viel gibt . . .

. . dem du deine Sorgen anvertrauen kannst,
der dir glaubt, was du letztens schön fandst,
der Mitgefühl zeigt, ging was Wichtiges schief,
der auch da, wenn dir eine Maus über die Leber lief . . .

. . dem du erzählen kannst, die unmöglichsten Sachen,
wo du auch weinen kannst, und er wird nicht lachen,

der wirklich versteht, was dich bedrückt,
der DICH - mit seinen Worten beglückt . . .

. . der dir zur Seite steht, wenn du Probleme hast,
dem scheinbar Unmögliches - keine Last,
der deine Gedanken anscheinend verspürt,
und nebenbei auch noch - Kaffee serviert . . .

. . der für dich Auswege sucht - und findet,
und für dich - nicht im Hintergrund verschwindet,
der Ratschläge geben kann, die zum Vorteil sind,
der dir vertraut - als sei er blind . . .

. . der deine Anwesenheit zu schätzen weiß,
der ZU DIR hält - um jeden Preis,
der dich aber auch kritisiert - findet er was schlecht,
DANN - ist diese Freundschaft mit Sicherheit - ECHT . . .

 

 

Verfasst, in Liebe mit Herz . . tumleh
www.beepworld.de/members9/tumleh

 

Danke Tumleh für dieses schöne Gedicht :-) 

 

... to be continued

 

 



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